Kanada wir kommen wieder :)

So lange war es ja still hier. Vor lauter reisen kam das Schreiben zu kurz. Darum möchte ich jetzt, da wir mittlerweile schon in Amerika sind, mal einen kleinen Rückblick schreiben. Nach unseren Startschwierigkeiten in Halifax und dem kalten Wetter sind wir weiter westwärts nach Quebec gefahren. Das französische Flair dort war wunderbar und wir genossen es wieder mal gutes Brot und Käse zu essen :). Wir wurden eingeladen mitten in der Stadt bei einer Familie zuhause zu stehen. Ein nettes gastfreundliches Völkchen diese Frankokanadier, hat man uns im Osten immer vor deren scheinbaren Arroganz gewarnt. Wir bekamen davon nichts zu spüren. Meine Französischkentnisse haben dies vielleicht noch etwas begünstigt.

Die Nationalparks in Quebec sind wunderschön obwohl der Frühling auf sich warten lässt. Es ist Mai und immer noch kalt. Nach einer Besichtigung von Ottawa rollen wir schon Ontario entgegen, der Provinz der Seen und Wälder. Wasser wohin das Auge reicht. Der Lake Superior beinhaltet 20% aller Süsswasservorkommen der Erde. Dieser See ist gewaltig gross und an dessen Ufern könnte man ihn auch mit dem Meer verwechseln. Der Alonquin Nationalpark hat es uns angetan. Wir gehen oft wandern und ich mache mir regelmässig aufgrund der Bärenwarnungen in die Hosen :). Es ist wunderschön keine Frage, ich bin nur nicht ganz entspannt und singe dauernd alle Lieder die ich kenne. Laut :).

Die unendliche Weite ist gewaltig, und die Leute hier sind es sich gewohnt mit all den Tieren zusammen zu leben. Ich kam mir jedes mal vor als würde ich in einem Bären-/Wolfsgehege spazieren. Ohne Zaun.....Wir werden wieder eingeladen und verbringen schöne Tage bei Bob und werden gleich weitergereicht zu seinen Verwandten am Eagle Lake. Die Gastfreundschaft ist grossartig und berührt uns immer wieder. Sofort wird der Grill angeschmissen und Essen aufgetischt und ehe man sich versieht steht man schon unter deren heissen Dusche. Strom und Wasser gibts auch gleich dazu und am Abend werden dann diverse Geschichten am Feuer ausgetauscht. Die Kanadier LIEBEN Barbecue! Alles dreht sich danach und die Grills sind auf jedem Pickup hinten mit dabei. Es wird auch auf den Parkplätzen grilliert und auch da wird einem nicht selten ein Burger in die Hand gedrückt. Einfach so.

Wir werden jeden Tag angesprochen und die Leute fahren zum Teil vom Highway ab um schnell ein paar Worte zu wechseln. Wir hätten nicht gedacht, dass die Kanadier so Freude an diesem Truck haben zumal die Dimensionen der Fahrzeuge hier um einiges grösser sind. Aber unser Bird gibt es hier so einfach nicht, ein Exot also. Für uns ist es super, wir lieben es mit den Leuten zu quatschen. Manchmal erzählen wir einfach 20 mal dasselbe am Tag.

 

Wir haben selten eine geplante Reiseroute oder überhaupt einen Plan :). Meistens besprechen wir am Morgen wo wir ungefähr durchfahren, und nicht selten sind es die Locals die uns eine Route empfehlen. Go with the Flow. So war es auch diesmal, sonst wären wir nicht nach Manitoulin gefahren. Manitoulin ist eine Insel im Huronsee in der kanadischen Provinz Ontario. Sie ist mit 2766 km² die größte in einem See gelegene Insel der Erde. Wir hatten gleich am ersten Tag die Gelegenheit an einem Pow Wow dabeizusein. Viele First Nation leben auf Manitoulin. Uns gefällt es so gut, dass wir schlussendlich über eine Woche bleiben. Allgemein bleiben wir immer gerne eine Weile an einem Ort wenn es uns gefällt. Meiner Meinung nach hat man auch nur so die Möglichkeit einen Ort richtig zu "spüren". Jeden Tag 500 km fahren nur dass man ein Routenziel erreicht hat ist nicht unser Ding. Wir sind also eher langsam unterwegs :) 


Nach dem vielen Grün und Wasser ist es fast ein Schock nach Manitoba und Saskatchewan zu fahren. Sofort wird es viel flacher und trockener. Wo sind den nur die Wälder und das Wasser hin? Erstaunlicherweise sehen wir im Riding Mountain NP in Manitoba sehr viele Wildtiere. Dieser Park ist so schön dass wir auch gleich ein paar Tage dort bleiben. Noch ist keine Ferienzeit und wir treffen wenig andere Touristen.


Saskatchewan ist flach. Sehr flach. Für uns Schweizer ist es schon ungewohnt eine solche Weite zu erleben.Wir durchqueren endloses Farmland und fahren ausnahmsweise mal sehr viel. An uns rattern Güterzüge vorbei deren Länge gigantisch ist. Wir zählen bis zu 200 Wagons. Der Zug hört über viele Minuten nicht auf. 


Und dann rollen wir langsam aber sicher in die Provinz Alberta ein. Genauer gesagt nach Edmonton, mit seinem Wahrzeichen Wayne Gretzky der mit den Edmonton Oilers zu seiner Zeit 4x den Stanley Cup gewonnen hat. Ihm zu Ehren hat die Stadt eine Strasse nach ihm benannt. 

Von nun an folgen wir dem Yellowhead Highway immer schön westwärts.

Apropos fahren. Der Verkehr läuft hier ein bisschen anders. Rechtsvortritt gibt es nicht. Rechts überholen aber schon. Rechts abbiegen kann man auch wenn die Ampel rot ist (ausser in Quebec) und beim Stoppschild geht es folgendermassen: Der der zuerst ist darf fahren. Also gut aufpassen an der Kreuzung wer zuerst da war. Da muss man schon ein bisschen aufpassen, aber wir lernen schnell. Grundsätzlich gewöhnen wir uns schnell und das Truck fahren in Kanada ist nicht so schwierig. Übrigens haben wir im Westen gemerkt, dass wir auf unserer Kanadareise nicht einmal durch ein Tunnel gefahren sind! :)


Natürlich steuern wir wie viele andere Touristen die Rockys an. Unser Ziel ist den Jasper NP. Wir bleiben eine Woche und haben Glück dass noch nicht Hauptsaison ist. Die Massen halten sich in Grenzen und wir unternehmen viele Wanderungen. Die Berge sind nicht höher als bei uns aber die Weite ist gewaltig. Man fährt ohne weiteres 200 km und ist immer noch inmitten der Rocky Mountain. Die Natur und die Wildnis dort ist sehr beeindruckend, mächtig und wunderschön. Leider regnet es viel und so beschliessen wir einen Abstecher nach Calgary (inkl. Besuch des Calgary Stampede) zu machen und die dortigen Badlands zu besuchen.Plötzlich ist es wieder flach und trocken. Wir sehen zum ersten Mal einen Tornado der sich zum Glück kurz vor uns auflöst. Wir merken schnell, dass wir uns wahrscheinlich ein bisschen mehr als zuhause mit dem Wetter beschäftigen müssen.
Wir fahren nun vom Süden her nochmal in die Rockys und geniessen weitere Wanderungen in diversen Provincialparks. Es soll Grizzly Gebiet sein doch wir kriegen nur von weitem eine Bärin mit Jungem zusehen. 
Kananaskys Country
Kananaskys Country
Der härteste aber vielleicht schönste Hike.

Mittlerweile ist Ferienzeit und das bekommt man gut zu spüren. Als wir Banff ansteuern verlassen wir die Region sofort wieder und zwar fluchtartig. Banff ist für Reisende aus aller Welt DAS Highlight ihrer Kanadareise, und auch die Kanadier selbst pilgern in Massen in den Schulferien von Ost nach West. Die kanadische Tourismusindustrie feuert das Ganze mit viel Enthusiasmus noch so richtig an. Klar Banff und Lake Louise sind wahrhaftig wunderschön aber komplett überlaufen. Schade drum. Als wir 2h für einen Bus zum Lake Louise anstehen sollten, und das notabene an einem frühen Montag Morgen ohne Long Weekend, sah man den Bird nur noch von hinten.

Wir fahren durch den Yoho und Glacier NP nach BC und hoffen endlich etwas Sonne zu finden. Im Süden von BC hat es viele Wein-und Fruchtanbaugebiete. Also nichts wie hin im strömenden Regen. Aber auch dort schüttet es nur vom Himmel und als Gianni schon nach Amerika durchfahren wollte treffen wir Karin und Bruno auf einem Parkplatz. Sie laden uns auf ihre Bluesky Ranch ein wo angeblich immer die Sonne scheint. Wir sind begeistert und sie haben uns nicht angelogen. Seht selbst:)

Die 2 sind vor über 20 Jahren von Niederglatt ZH nach New Denver BC ausgewandert und besitzen dieses wundervolle Fleckchen Erde mit mehreren Gästelodges. Sie sind beide viel gereist, unter anderem oft  in Marokko, und wir verstehen uns von Anfang an prächtig. So gut dass wir 2 Wochen bleiben! Dieses Tal ist magisch mit seinem Slocan Lake und die Kootenay Region traumhaft schön. Der Vibe ist mehrheitlich sehr alternativ und viele Menschen hier sind Selbstversorger. Gleich gegenüber des Sees ist der Valhalla Provincialpark (heisst wirklich so) und wir fühlen uns sofort prima zuhause hier:) Wir kommen also fast nicht weg hihi (Bruno und Karin lassen uns auch nicht ziehen) und so verzögert sich unsere Abreise noch etwas hinaus :) Aber Bruno meint, wir seien nicht die Ersten die hier hängenbleiben und das Motto des Tales heisse sowieso ” as slow as we can“! (Slocan). Also geniessen wir unsere gemeinsame Zeit, kochen jeden Tag CH Gerichte, beobachten die Bären hinter dem Haus, gehen zum Markt und Gianni geht Bruno mit den Steinarbeiten zur Hand. Wir lernen eines Tages Gabriela kennen die die Masseurin von Karin ist. Sie ist ebenfalls Schweizerin und hat mit ihrem kanadischen Mann einen kleinen Hof in Slocan. Sie erzählt dass sie mir ihrem Mann an eine Hochzeit in Toronto eingeladen ist und immer noch keine Farmsitter gefunden hat. Gerade vor einigen Wochen hatte ich Gianni erzählt dass ich mein Landleben vermisse. Wir besprachen ob das was für uns wäre,  so 10 Tage in einer Waldlichtung eine Farm hüten. Alleine in Kanada. Lange Worte kurzer Sinn ja klar wollten wir :).

Wir sind also zu den Beiden und haben uns das angeguckt. Es entsprach uns vom ersten Augenblick an, das Haus und die Umgebung ist einfach ein Traum. So haben wir mal das Ziegen melken geübt. Sämi das 1 Wochen alte Geissböcklein ( von Gaby Bözger genannt aus dem  rheintalischen) hat uns sofort das Herz gestohlen. Jesses war der süss. 2 mal am Tag musste er mit der Flasche gefüttert werden. Insgesamt 12 Geissen und ein Geissbock zu versorgen gab es. Am Morgen und Abend werden sie gemolken. Zum Glück nicht alle :) puhh wir kommen schön ins schwitzen. Es hat auch ein Pferd, viele Hühner, 2 Katzen und zu guter letzt Balou der Hund. In den haben wir uns sofort verliebt! Ein grosser schöner Hund der seine Arbeit auf dem Hof im Griff hat. Der Garten ist riesig versorgt die 2 mit allem was sie brauchen an Gemüse. Einen kleinen Waldspaziergang führt zum Fluss wo man herrlich baden kann. Ein Paradies also.

Der grosse Tag kam und die 2 sind nach Toronto geflogen und wir auf der Farm alleine geblieben. Ein paar Nottelefonnummern hatten wir (falls das Telefon geht gell Gaby) und so waren wir ab sofort auf uns gestellt. Wir hatten alle Hände voll zu tun, schliesslich mussten die Tiere auch auf die Weide und zurück. Wir genossen die Zeit sehr und hatten das Ganze im Griff.

Insgesamt blieben wir über 2 Monate in Slocan, Gaby und Dave wurden enge Freunde und es gab ein tränenreicher Abschied. Wir hatten eine fantastische Zeit und hatten uns zeitweise überlegt ein Stückchen Land zu kaufen. So schön wars. Als unser Visa abläuft müssen wir tschüss sagen und fahren in die USA. Wir kommen bestimmt wieder.