Das Land mit den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten

Wir verlassen Kanada nicht weil wir wollen, sondern weil unser Visa in den nächsten Tagen abläuft. So mancher Kanadier hat uns darauf hingewiesen dass die Amerikaner natürlich nicht so nett seien wie sie selber :).. Wir machen uns lieber selber ein Bild und brechen neugierig auf in Richtung Washington State. Die Grenze passieren wir ohne Probleme und kriegen unser 6 Monate Visa für die USA. Da Mathematik scheinbar nicht die Stärke unseres Zöllners ist sind es ein paar Tage weniger. Egal wir fahren zu unserem ersten Schlafplatz in einem Wald. Es ist schon merklich kühler in der Nacht, die Ferienzeit ist vorbei und wir treffen nur wenige Camper auf der Strasse. Wir fahren zur Olympic Peninsula dem nordwestlichsten Teil Nordamerikas ausser Alaska. 

Wir sind beeindruckt von den unglaublichen Landschaften die sich immer wieder schnell wechseln. Die Weite ist atemberaubend und lässt die riesige Grösse dieses Landes erahnen. Washington State bietet sehr viel Abwechslung. Berge, Vulkane, Meer oder doch lieber Regenwald? Uns gefällt es super und wir freuen uns als wir die ersten Grauwale am Pazifik sichten.

 

Autofahren in Amerika ist genauso einfach wie in Kanada, doch der Umgang untereinander ist merklich aggressiver. Da wir langsam unterwegs sind merken wir schnell, dass das Hupen bei den Amerikanern nicht unbedingt gut gemeint ist. Vor allem die Trucker zeigen uns gewisse Finger und wenn man gut Lippen lesen kann weiss man voran man ist. Die Lastwagen hier fahren super schnell, vielfach weit über 100kmh. Da mag unser Traktor nicht ganz mit. 

 

Alles ist natürlich Auto freundlich in Amerika. Für viele Bedürfnisse des täglichen Lebens muss man nicht mal das Fahrzeug verlassen. Auch finden sich überall immer genug und vor allem gratis Parkplätze. Auch das Strassennetz ist einfach. Es sind immer alle vier Himmelsrichtungen angezeigt und die Städte sind im Raster Format angeordnet. Reisen in Amerika macht unglaublich Spass, wir haben in 6 Monaten praktisch nie bezahlt um zu übernachten. ÜBERALL hat es National Forrest oder Public Land wo man legal und gratis stehen darf. Wenn das mal nicht verfügbar ist gibt es Supermarktketten wie Walmart oder Home Depot wo man eine Nacht stehen darf. Alles ist sehr Camping freundlich, einfach perfekt für uns.

 

Der Konsumwahn ist auch hier krass. Die riesigen Einkaufszentren die ihren Organic Food in grossen Hartplastikschalen anpreisen. Vieles immerhin deklariert als nicht genmanipuliert und dann immer wieder sehr viele Fertigprodukte. Convenient halt :) Ich habe aber mit der Zeit herausgefunden welche Ketten eher meiner Konsumrichtung entsprechen.

Der Smalltalk wird hier fest gelebt und ist Bestandteil des täglichen Lebens in Amerika. Ich finde diese Lockerheit prima, überall wird geschwatzt und die Leute unterhalten sich ungezwungen. Egal ob man sich kennt oder nicht. Auch fällt mir die Hilfsbereitschaft untereinander auf. Überall wird man "Darl", Honey, Babe oder so genannt und erhält noch irgend ein Kompliment. Vieles wird mit "oh i love this and that" kommentiert :) Ob das echt ist oder nicht, wenigstens reden die Leute miteinander. Es kam mir jedenfalls recht entspannt vor und einkaufen war lustig. Vor allem wenn die Schlange an der Kasse lang war. Da wird auch geduldig gewartet falls die Kassiererin noch ein Detail mehr von dem Kunden wissen will.  Ein bisschen mehr Schwatz untereinander würde uns in der Schweiz auch gut tun. Als Erstes kommt immer die Frage nach dem Befinden und ich fragte mich oft, wie es wäre die Wahrheit zu sagen. Hab ich natürlich ausprobiert und endet meistens in einem längeren Gespräch haha. Glatti Cheibe :) Oft mussten wir lachen wenn wir an den Ampeln auf einer vierspurigen Strasse angehalten haben und rechts und links von uns die Fenster runtergingen. "Hey Dude what a badass Truck oder fucking nice Rig" kam uns entgegen. Kleines Schwätzchen und weiter gehts. Das Wort Fuck ist fest verankert im Vokabular der Amerikaner :)

 

 

 

Oregon oder besser gesagt "Potregon" :)

Oregon ist einer der grossen Marihuana Produzenten der USA. Seit einigen Jahren ist Cannabis in mehreren Bundesstaaten legal und mittlerweile ein Milliarden Geschäft. Überall gibt es Stores in denen die Menschen ihr Marihuana in verschiedensten Produkten bekommen. Das sind nicht irgendwelche düstere Hinterhofbuden oder so, sondern edle Geschäfte die eher einer Weinhandlung mit erstklassigem Personal entsprechen. Von jung bis alt, jeder und jede drückt sich da die Klinke in die Hand. Man muss nicht mal wissen wo diese Stores sind, meistens sind sie dort wo der Parkplatz voll ist haha :)

Wir fahren an endlosen Feldern mit Marihuana Pflanzen vorbei und werden zu einer Besichtigung einer Farm von einem Organic Hemp Bauern eingeladen.

Amerika und Kanada sind hier einen grossen Schritt vorwärts gegangen und die Leute und die Polizei leben sehr gut mit dieser Entscheidung. 

Oregon ist wunderschön mit seinen Vulkanen, der Küste und den beeindruckenden Landschaften. Auch ist es nicht so dicht besiedelt wie Kalifornien. 

Wir fahren weiter der Küste Kaliforniens entlang. Unser Ziel ist natürlich der Redwood NP und Sequoia NP mit seinen riesigen Mammutbäumen. Gewaltig sind diese Wälder mit diesen uralten Bäumen die schon etlichen Bränden und Unwettern standgehalten haben.


Wir fahren den Highway 1 Richtung San Francisco. Eine kurvige Angelegenheit und ein bisschen Arbeit für Gianni. Wir fahren natürlich über diese berühmte Brücke mit dem richtigen Song im Bird und sehen uns San Francisco an. Wir stehen 2 Nächte im Hafen von Sausalito und nehmen die Fähre vorbei an Alcatraz. 

Wir verlassen die Küste nach Osten und besuchen den Sequoia NP. Die Ruhe und majestätische Kraft dieser Wälder beeindrucken uns sehr. Gewaltig wie diese Riesen dastehen und wir gehen ein bisschen mit den Bäumen reden :)

Der Yosemite NP gehört zu den beliebtesten Nationalparks Amerikas und wir haben Glück nicht zur Hauptreisezeit dort zu sein. El Capitan ist DAS Mekka der Kletter Community und im Park kann man wunderschöne Wanderungen unternehmen. Wir lernen Ben aus Texas kennen und verbringen eine lustige Zeit mit ihm. Dieses Gebiet ist wahnsinnig schön und die Landschaften wieder einmal mehr atemberaubend. 

Das wars dann mit dem Grün, uns zieht es ins Death Valley. Wieder eine komplett andere Landschaft die einem den Atem raubt. Diese Weite und unglaubliche Grösse des Landes ist für uns Schweizer schon sehr ungewohnt. Wahnsinnig eindrücklich und wunderschön. Bevor es heiss wird gehen wir noch mal baden.

Nevada und Arizona

Nach einem Abstecher nach Las Vegas fahren wir zum Grand Canyon. In Las Vegas haben wir uns noch eine Erkältung geholt, kein Wunder bei diesen Massen an Menschen. War aber spannend zu sehen dieser ganze Wahnsinn und so, gezockt  haben wir natürlich auch :). 

Arizona ist der Hammer! Diese Canyon und Felslandschaften gefallen uns wahnsinnig gut! Ein Highlight nach dem anderen und das Beste ist, dass wir off Season unterwegs sind. Dafür werden wir am Grand Canyon auch so richtig eingeschneit. 

Canyon de Chelly

Canyon de Chelly ist einer unserer Favoriten. Die Gesteinsformationen sind anders als das vorher Gesehene. Auch dort werden wir vom Schnee überrascht. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir Navajo Gebiet. Die Leute leben in sehr ärmlichen Verhältnissen und die Natives sind im Gegensatz zu Kanada schlecht durch den Staat unterstützt. Wir übernachten bei einer Navajo Familie die einen kleinen Camping betreibt. Kalt ist es hier im Monument Valley.

Utah

Wir lieben Utah und bereisen diese Gegend fast alleine. Es ist kalt und hat nur wenige Touristen. Ein Highlight nach dem anderen in dieser fantastischen Natur reiht sich ein. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus und wenn ich gefragt werde welches mein liebster Bundesstaat ist, sage ich immer Utah. Der Mormonenstaat. Kein Alkohol zu kaufen was für uns kein Problem ist. Tabak ist auch nicht wie gewohnt erhältlich. Wir bleiben recht lange in dieser Gegend, vor allem Moab und Umgebung hat es uns angetan! Seht selbst :)

Die Wanderungen die man im Arches NP machen kann sind super schön. Die vielen Bögen und Gesteinsformationen gibt es so nur dort.

Canyonlands ist berühmt für seinen Mesa Arch. Nur bei Sonnenaufgang scheint die Sonne unter dem Bogen durch und lässt ihn besonders rot leuchten. Wir fahren also noch bei Dunkelheit dorthin und sind erstaunt,dass es schon ein paar Leute hat. So ein Typ hat doch tatsächlich sein Maschinengewehr genau unter dem Bogen platziert. Auf meine Frage ob ich ein Foto ohne seine Knarre haben darf hat er sie dann weggenommen.

Zurück nach Moab sind wir den Shafer Trail gefahren. Es war teilweise gefroren und ich hatte ein wenig Bedenken da man ziemlich weit fallen würde :) Doch alles ging gut und nach ca. 2.5h waren wir sicher unten in Moab.

Es ist Dezember und wir fahren nach Colorado. Ein bisschen Skifahren vielleicht? Wir sind von Ben den wir im Yosemite kennengelernt haben nach Texas eingeladen worden. So feiern wir Weihnachten und Neujahr in Texas warum nicht :) Colorado hat leider nicht so viel Schnee. So wird vorerst nichts mit dem Skifahren. Über riesige Hochplateaus fahren wir durch die Rockys. Wir auf 2500 Metern und rechts und links gehts über die 4000er raus. Sanddünen in den Rockys? Ja gibt es.

Wir werden von den Amerikanern ganz oft offen und direkt gefragt, was wir von Amerika und deren Einwohnern halten. Nicht selten kam es vor, dass sich die Leute für ihren Präsidenten entschuldigt haben. In unserem Reiseführer steht geschrieben, dass man sich nicht über Politik und Religion unterhalten soll:)  Wir haben es trotzdem gemacht. Das Land ist politisch sehr gespalten und der Präsident trägt ja bekanntlich nicht viel zur Besserung bei. Die Gespräche waren für uns immer sehr interessant und eine weitere gute Gelegenheit Land und Leute besser kennen zu lernen.

New Mexiko und Texas

New Mexiko durchqueren wir ziemlich schnell da wir ja zu Weihnachten in Texas sein wollen. Die Architektur der Häuser in New Mexiko ist verschieden und gefällt mir sehr gut.

In Austin Tx angekommen werden wir von Ben erwartet. Wir stehen mitten in seinem Garten und haben unser eigenes Bad und Auto. Die Amerikaner sind generell sehr grosszügig und wir wohnen in seinem Haus mit eigenem Hausschlüssel. Wir haben eine Menge Spass in Austin. "Keep Austin weird" heisst es überall, die Leute sind hier sehr ausgeflippt und crazy. Ganz unser Geschmack :) Auf der anderen Seite das alternative Texas. "D'ONT MESS WITH TEXAS" steht quasi an jedem Ortseingang. Das Longhorn ist überall vertreten und die Texaner lieben Waffen und Barbecue. An jedem Wochenende wir irgendwo rumgeballert, oft auch mit sehr grosskalibrigen Waffen. Die Leute dürfen sie offen tragen und in vielen Autos und Haushalten gehören sie fest zum Inventar. Wir können diese Begeisterung nicht teilen, was natürlich die Texaner wiederum nicht verstehen :).

Weihnachten in Amerika.... Wir werden fast blind von all den Lichtern. Ganz nach dem Motto viel hilft viel. Die Leute beschenken sich mit Bergen von Paketen und die Stimmung gleicht eher einem Volksfest. Wir haben viel Spass und besuchen auf bitten von Ben das "Chicken Shit Bingo". Ja genau, und es ist was es heisst. Ein Huhn ist in einem grossen Käfig dessen Boden mit Nummernfelder bemalt und mit Körner bedeckt ist. Sobald das Huhn scheisst, gewinnt derjenige der die Nummer vorher gekauft hat. Wirklich war. Ich als Hühnerfreundin komme schon mit Animal Cruelty und so, aber das Huhn wird nach jeder Runde ausgewechselt und pickt da ziemlich entspannt rum. Wir probieren unser Glück jedoch ohne Erfolg :)

Ben ist echt ein cooler Typ. Er hat mit seinem Segelschiff Gypsy Soul 8 Jahre alleine die Weltmeere bereist. Viele crazy Geschichten hat er uns erzählt. Die ganze Familie ist sehr herzlich zu uns und wir lachen viel. Wir helfen Ben noch ein bisschen sein Haus in Schuss zu bringen und machen uns anfangs Februar wieder nach Westen auf. Unser Visa läuft ab und wir wollen nach Mexikooooo. So fahren wir wieder endlose Strecken gerade aus direkt nach Arizona. Dort treffen wir noch mal Karin und Bruno die wir von Canada kennen. Den Süden von Arizona haben wir noch nicht bereist. Es ist sehr trocken und hat wunderschöne Kakteenlandschaften.

An der Grenze zu Mexiko entlang fahren wir noch ein letztes Mal nach Kalifornien um dort das Land in Richtung Baja Kalifornien zu verlassen.

Der berühmte Grenzzaun ist gut zu sehen, und überall passieren wir Border Control Checkpoints. Wir fühlen uns auf einmal sehr überwacht. Immer wieder Helikopter und Drohnen die über unsere Köpfe fliegen. Plötzlich sind wir sehr froh bald in Mexiko zu sein.